Das Stellwerk Tu kurz vorgestellt:

 

Telegraphische Abkürzung Tu für Tegelgrund, vor 1939 Bk 8

Streckenblock: Felderblock
Inbetriebnahme: ca. 1925
Blockform zweigleisige Strecke nach Schulzendorf und Tegel
Außerbetriebnahme: 16. Februar 1959
Ab 1945 Blockform C eingleisige Strecke
Bauform: mechanisch (Hein, Lehmann & Co?)
Benachbarte Stellwerke: Bahnhof Tegel Tnb und Bk Szf Schulzendorf
Befehls-/Wärterstellwerk: Blockstelle Standort der Blockstelle: N52° 36.222 E013° 16.226
Stellwerk bediente S- und F-Bahn  
   
Inhalt dieser Seite: 
   
Ein Arbeitsplatz mitten im Wald - die Blockstelle Tegelgrund
Die Reste der Bk Tu 2012
   
   

 

 Der Posten 7 Hermsdorfer Straße ca. 1920. Es ist möglich, dass die Wellblechbude die spätere Blockstelle Tegelgrund wurde. Foto: Heimatmuseum HermsdorfDer Posten 7 Hermsdorfer Straße ca. 1920. Es ist möglich, dass die Wellblechbude die spätere Blockstelle Tegelgrund wurde. Foto: Heimatmuseum Hermsdorf

 

Vom Schrankenposten zur Blockstelle?

 

Der Schrankenposten 7 lag an der Tegel-Hermsdorfer Chaussee (dem späteren Hermsdorfer Damm) am Km 12,4 der Strecke. Solange die Kremmener Bahn eine Nebenbahn war, war dieser Bahnübergang ungesichert. Das änderte sich aber mit dem Hauptbahnausbau 1910 und der damit verbundenen Erhöhung der Streckengeschwindigkeit auf 70 km/h. Seitdem waren alle Bahnübergänge an der Strecke gesichert. Zwischen 1921 und 1925 wurde die Strecke zwischen Tegel und Hennigsdorf zweiweisig ausgebaut und höhergelegt. Der Schrankenposten 7 wurde dadurch obsolet. Wegen der frappierenden Ähnlichkeit der beiden Wellblechbuden ist es nicht ausgeschlossen, dass die Bude für die neue Bk 8 weiterverwendet wurde. Der Ausbau der Strecke konnte von der Deutschen Reichsbahn nur unter wirtschaflich schwierigen Bedingungen und somit Sparzwang verwirklicht werden. Was liegt also näher, die alte Bude vom Schrankenposten weiter zu verwenden anstatt einen teuren Stellwerksneubau zu finanzieren? Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Schrankenwärter zu Blockwärtern ausgebildet wurden und zukünftig in der Blockstelle 8 ihren Dienst ausübten.

 

Ein Arbeitsplatz mitten im Wald - die Blockstelle Tegelgrund

 

Die Blockstelle Tegelgrund entstand aus der Planung des neuen Güterbahnhofs Tegel heraus. Wegen der größeren Steigungen und Krümmungen wurde diese Blockstelle benötigt, um die zukünftige fünf Minuten Zugfolge zu garantieren. [1] Die Blockstelle wurde ca. 1925 errichtet. Das genaue Datum ging aus den bis jetzt ausgewerteten Akten leider nicht hervor.

Neben der eigentlichen Blockstelle existierte noch ein sog. „Wagonraum". Wegen des beengten Arbeitsplatzes musste die Toilette und die Lagermöglichkeit für Betriebsmittel ausgelagert werden. Interessant zu wissen wäre auch, wie die Blockwärter zu ihrem Arbeitsplatz gelangten, der zwar in der Stadt, aber trotzdem abgelegen mitten im Wald lag. Die Straßenbahn lag ca 750m entfernt. Auf der Ruppiner Chaussee fuhren keine Linienbusse. Vielleicht durften die Blockwärter auch auf dem Führerstand mitfahren.

Lageplan der Bk 8 im Tegeler Forst vom 24. November 1938. Quelle: Landesarchiv Berlin, A Rep. 080 (Karten) Nr. 2189Lageplan der Bk 8 im Tegeler Forst vom 24. November 1938. Quelle: Landesarchiv Berlin, A Rep. 080 (Karten) Nr. 2189

Die telegraphische Bezeichnung lautete anfangs Blockbude 8. Mit Stand 15. Mai 1939 wurde die Blockstelle mit Bk Tegelgrund bezeichnet.[2] Die benachbarten Stellwerke die die Blockabschnitte begrenzten waren die Blockstelle Schulzendorf Szf und das Wärterstellwerk Tnb des Bf Berlin Tegel.

Auf diesem Foto von 1940 ist hinten links ist das Blocksignal B der Bk Tegelgrund zu sehen. Foto: Heimatmuseum ReinickendorfAuf diesem Foto von 1940 ist hinten links ist das Blocksignal B der Bk Tegelgrund zu sehen. Foto: Heimatmuseum Reinickendorf

 

 

Ihre Daseinsberechtigung behielt die Blockstelle auch nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, gerade wegen der nachkriegsbedingten Eingleisigkeit von Schönholz bis Velten und trotz der geringeren Auslastung der Strecke, nachdem 1950 der Güterverkehr aus der DDR nach Berlin-West bzw umgekehrt aus politischen Gründen unterbrochen war.

Seit  dem 18. Mai 1953 verkehrten die sog. Durchläuferzüge für die Randgebiete Berlins, die auf allen Bahnhöfen der Westsektoren nicht hielten. [3] Für diese in den Fahrplan der S-Bahn zwischengeschobenen Züge benötigte man auf der rund 4 km langen Strecke zwischen Tegel und Schulzendorf die Bk Tegelgrund zur Steigerung der Durchlassfähigkeit der Strecke.

Am 3. Mai 1958 verkehrten die Durchläufer letztmalig. [4] Der neue Kreuzungsbahnhof Hennnigsdorf Nord ermöglichte über den Berliner Außenring das Umsteigen auf die S-Bahn ohne die Westsektoren zu berühren.

Die damit entbehrliche Blockstelle Tegelgrund wurde am 16. Februar 1959 [5] außer Betrieb genommen  und vermutlich nach 1970 endgültig abgerissen. Die nachfolgenden Fotos zeigen das noch heute vorhandene Fundament der Blockstelle Tegelgrund.

Die Reste der Bk Tu 2012

 

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Die ehemalige Bk Tegelgrund ca. 1969. Ein Zug der Zuggruppe 3 passiert die Blockstelle. Foto: Lothar Idziak

 

 Quellen und weitere Links

[1] Landesarchiv Berlin, A Rep. 080 Nr. 1046  Landespolizeiliche Prüfung des zweigleisigen Ausbau der Strecke Tegel-Velten
[2] Deutsche Reichsbahn, Verzeichnis der telegraphischen Bezeichnungen der Bahnhöfe, Haltepunkte, Blockstellen und Stellwerke gültig vom 15. Mai 1939 an.
[3,4,5] Peter Bley, Die Kremmener Bahn, Verlag  B. Neddermeyer 2004 Seite 97, 100 und 101
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